Titel: Chouja Reideen II 4/? Von: Miki ("Jaruka") Fanfic: Chouja Reideen Disclaimer: Siehe vorangegangene Teile!!! Warnungen: Ich bin nicht sicher, aber vielleicht könnte 'angst' vorkommen. ------------------------------------------------------------------------- "Ginga!" Eine bekannte Stimme riss den Angesprochenen aus seinen Gedanken. Er drehte sich um und entdeckte Shinobu, der langsam auf ihn zukam. Ginga blickte sich nervös um. Er war nicht sonderlich scharf darauf, jetzt mit dem jungen Sänger zu reden. Er war noch viel zu verwirrt, warum zum Teufel er DAS mit ihm gemacht hatte. "Ginga, ich habe dich gesucht", begann Shinobu, als er den zartvioletthaarigen Jungen erreicht hatte. "E-es geht um das... heute Nacht." Shinobu schaute den Samurai verlegen an. "Was soll ich noch dazu sagen?", bemerkte Ginga und versuchte, ein ausdrucksloses Gesicht zu machen. "Was passiert ist, ist passiert. Wir können's ja schlecht rückgängig machen." "Nein, das können wir nicht", antwortete Shinobu und steckte die Hände in die Taschen. "Aber... aber können wir trotzdem noch... Freunde bleiben?" Ginga atmete hörbar ein. "Ich meine, eigentlich hat sich ja nichts zwischen und geändert... außer eben DAS." "Was weiß ich denn?", rief Ginga plötzlich und seine Stimme zitterte jetzt. "Glaubst du, ich kann das einfach so vergessen? Ich habe mit einem Jungen geschlafen, Shinobu! Du magst das vielleicht verkraften, aber ich nicht!" "Was soll das heißen, ich mag das vielleicht verkraften?", schnappte Shinobu plötzlich. "Willst du damit irgend etwas andeuten?" "Was weiß ich, wer es bei den Hearts mit wem getrieben hat", antwortete Ginga. "Ihr seid doch alle pervers, sieh dir nur Fujimaru und Kazuya an!" Er sprang auf und funkelte Shinobu wütend an. "Vielleicht warst du ja gar nicht betrunken und hast die Situation nur ausgenutzt?" Shinobu erwiderte nichts. Ginga sah aus, als würde er ihm gleich eine runter hauen - egal, was er jetzt antwortete. Stattdessen drehte er sich wortlos um und ließ den Samurai einfach stehen. Er würde sich schon wieder beruhigen! *Ihr seid doch alle pervers, sieh dir nur Fujimaru und Kazuya an!* Shinobu erschauerte bei diesem Gedanken. Was hatte Ginga damit gemeint... Kazuya? Wieso denn Kazuya? Shinobu verstand das nicht... ~~~~~~~~~~ Hayate kniete noch immer dort, wo Fujimaru ihn verlassen hatte. Seine Tränen waren versiegt und seine Schluchzer kamen in immer größeren Abständen. Dafür fühlte er sich schrecklich leer. In seiner Verzweiflung griff er zum Telefon und wählte Hishous Nummer. Er MUSSTE jetzt mit jemandem reden und sein dunkelhaariger Freund war der einzige, dem er genug Vertrauen entgegenbrachte. Aber Hishou war nicht zu Hause! Hayate legte auf und unterdrückte das Schluchzen, das schon wieder in ihm aufstieg. Mit zitternder Hand wählte er Gingas Nummer. Vielleicht konnte er ihm ja helfen. "Torikai, Ginga am Apparat", meldete sich sein Freund. "Ginga? Hier ist Hayate." Pause. "Kann ich mit dir reden?" "Worüber denn?" Ginga versuchte, nicht allzu genervt zu klingen, aber Hayates Anruf passte ihm jetzt überhaupt nicht. Er hatte immer noch an der Sache mit Shinobu zu knabbern. "Es geht um Fujimaru", begann Hayate leise. "Ich..." "Komm mir jetzt bloß nicht mit irgendwelchem Liebeskummer!", schnauzte Ginga plötzlich den ahnungslosen Jungen an. "Mit deinen und Fujimarus Problemen will ich nichts zu tun haben, hörst du?" "Aber..." Hayates Stimme klang dünn. "Das ist doch pervers, was ihr beide da treibt!", zischte Ginga in den Hörer. "Ihr seid völlig krank, alle beide!" Mit diesen verächtlichen Worten knallte er den Hörer auf die Gabel. Hayate hielt seinen hingegen noch lange in der Hand. Die Stille in seinem Zimmer wurde nur in regelmäßigen Abständen vom Piepen des Telefons unterbrochen. Hayate starrte an die braune Holzwand und versuchte nicht mehr, sein Schluchzen zurückzuhalten. Ginga wusste also von seinen abartigen Gefühlen und er hatte ihm deutlich seine Meinung darüber gesagt. Er fand sein Verhalten genauso pervers wie er selbst. Hayate legte zitternd auf. Was würde Fujimaru dann erst von ihm denken? Und warum hatte Ginga ihn auch als krank bezeichnet? Fujimaru war ja wenigstens noch normal! ~~~~~~~~~~ Es gab einen ganz bestimmten Grund, warum Hishou nicht zu Hause war. Er war auf der Suche nach Reiko und Tsubasa, die immer noch nicht zurückgekehrt waren. Hishou hatte sich bis zwanzig Uhr keine Sorgen gemacht, weil Reiko angedeutet hatte, dass sie vielleicht noch mit seiner Schwester ins Kino gehen wollte. Selbst um halb neun war der siebzehnjährige Junge noch nicht sonderlich beunruhigt gewesen. Vielleicht waren die beiden ja noch irgendwo etwas essen gegangen. Aber inzwischen war es nach dreiundzwanzig Uhr! Kalter Wind schlug ihm ins Gesicht, als er die Straße betrat. Er schlug den Kragen seines tannengrünen Mantels hoch und blieb dicht an den Hausmauern, um dem Sturm nicht völlig ausgeliefert zu sein. Er war ganz plötzlich aufgezogen, ohne eine Warnung vom Wetterbericht. Hishou hoffte, dass er nicht noch schlimmer werden wurde, während er seinen Weg in Richtung Zoo fortsetzte - obwohl er nicht daran glaubte, dass er seine Schwester und die junge Managerin dort finden würde. 'Hoffentlich findet Louche sie nicht vor mir!', schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. Bei diesem Gedanken beschleunigte er seine Schritte. Nein, das durfte einfach nicht passieren! ~~~~~~~~~~ Fujimaru lag mit hinterm Nacken verschränkten Armen auf seinem Bett und starrte an die Decke. 'Hayate will mich nicht mehr sehen. Hayate hasst mich! Ich hab's ja gewusst...' Diese und ähnliche Gedanken gingen ihm seit über zwei Stunden durch den Kopf. Er verstand nicht, warum plötzlich alles schief ging. Er war doch immer so gut mit Hayate befreundet gewesen, sogar sehr gut! Kazuya sogar gespürt, wie wichtig Hayate für ihn war - ob dieser es vielleicht auch gespürt hatte. Fujimaru schluckte. Das musste es sein! Hayate hatte irgendwie seine abartigen Gefühle für den Jungen mit den haselnussbraunen Augen herausgefunden. Deshalb wollte er ihn nicht mehr sehen! Fujimaru drehte sich auf die Seite und legte den Kopf auf seinen Arm. Seine Tränen durchnässten das Kissen, bis er irgendwann einschlief... ~~~~~~~~~~ Inzwischen hatte der Himmel mit einem Schlag alle Pforten geöffnet und der Regen prasselte mit einem monotonen Rauschen auf die Erde. Die Blätter rauschten und warfen unheimliche Schatten im schwachen Licht der Laternen. Viele waren wegen des Sturmes schon ausgefallen. "Niisan!" Tsubasa stand zitternd vor der Haustür und klingelte. Seit fünf Minuten tat sie nichts anderes. Aber niemand öffnete die Tür - Hishou war nicht zu Hause! "Niisan..." Tsubasa stand kurz davor, in Tränen auszubrechen. Ihre Haare klebten ihr in langen Strähnen im Gesicht und sie war inzwischen nass bis auf die Knochen. Aber das registrierte die Kleine kaum. Sie stand viel zu sehr unter Schock, seit Reiko verschwunden war. Ihre große Freundin hatte sie einfach allein gelassen! Plötzlich waren die Tiere im Zoo alle viel gefährlicher erschienen und hatten allein sie angestarrt. Tsubasa war weinend durch den Zoo gelaufen und hatte nach Reiko gesucht, aber nirgendwo war die Frau mit den kastanienbraunen Haaren und der eigenwilligen Frisur zu finden gewesen. Reiko war verschwunden! Und Tsubasa ganz allein gewesen, ohne dass auch nur einer der Passaten Notiz von ihr genommen hatte. Nur die Tiere sahen sie böse grinsend an. "NIIIISAAAAAN!", kreischte Tsubasa, als ein gewaltiger Blitz irgendwo in der Nähe einschlug. Das darauffolgende Donnern war ohrenbetäubend. Tsubasa schrie weinend auf und rannte weiter in die Richtung, wo das Haus von Reiko lag. Dort würde bestimmt jemand zu Hause sein, schließlich wohnten bis auf Hishou und Hayate alle dort. Wenn doch wenigstens Ruri dagewesen wäre! Aber Hishous Freundin kam auch erst übermorgen von einer Klassenfahrt zurück. ~~~~~~~~~~ Masato trommelte genervt mit den Fingerspitzen aufs Fensterbrett, während er das Bild der Regentropfen beobachtete, das sich auf der Fensterscheibe fortwährend veränderte. Bis vor Kurzem hatte er nebenan noch Fujimarus Schluchzen gehört, und es hätte nicht mehr lange gedauert, bis er rüber gegangen wäre, um nachzuschauen. Aber mit seinen Problemen musste Fujimaru schon allein fertig werden. Ihm selbst hatte ja auch nie jemand geholfen. Masatos Blick fiel auf die Straße. Das Licht der Laterne vorm Haus flackerte bedrohlich. Es würde nicht mehr lange dauern, bis auch sie erlosch. 'Die Stadt sollte sich wirklich besser um solche Angelegenheiten kümmern!" Hier verfällt so langsam alles.' Masato ging seufzend zur Couch und ließ sich darauf fallen. Der Strom im Haus war inzwischen ausgefallen und werde Fernseher noch Radio funktionierten. Nicht einmal Kaffee kochen konnte er. An manchen Tagen verfluchte er sich dafür, dass er einen Elektro- und keinen Gasherd hatte. Wenigstens funktionierte die Heizung! "Shit! Es kotz mich an. ES KOTZT MICH AN!" Masato hörte, wie Kyle wütend über den Flur lief. "Reiko", rief er und hämmerte gegen die Tür der Managerin, die das Zimmer gegenüber von Masato hatte. Sie war nicht da. 'Fünf Sekunden', dachte Masato und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. 'Fünf... vier... drei... zwei... eins...' "Masato?" Kyle öffnete schwungvoll die Tür. "Boy, wenigstens du bist zu Hause! Bei mir gibt's kein light und..." Er schaute sich um. "Oh, bei dir ja auch nicht." "Nein, wie du siehst", antwortete Masato amüsiert. "Und ich denke mal, im Rest des Hauses ist das genauso. Kein Strom mehr." ~~~~~~~~~~ Tsubasa wusste nicht, ob sie noch auf dem richtigen Weg war oder nicht. Sie kümmerte sich nicht mehr um die Pfützen, denen sie anfangs noch ausgewichen war und auch nicht darum, dass der Wind immer beißender wurde. Ihre Gedanken kreisten einzig und allein um Hishou, der nicht zu Hause war. "Niisan...", wimmerte die Kleine, während sie mit beiden Händen krampfhaft versuchte, ihr Jacke zuzuhalten. Es war keine richtige Jacke mit Knöpfen oder Reißverschluss, sondern lediglich eine zum Überhängen, die dem Spiel des Sturmes nicht in geringster Weise gewachsen war. Ein Blitz schlug genau über Tsubasas Kopf in eine Antenne ein. Mit einem entsetzten Aufschrei rannte die Kleine weg, fand sich nach einigen Minuten orientierungslos in einer kleine, dunklen Gasse wieder. Sie kauerte dort schluchzend an einer Hauswand, das Gesicht in den Händen vergraben. "Niisan... wo bist?" Ängstlich rappelte sie sich auf und lief sie weiter, während ihre Füße tapsende Geräusche verursachten, die an den Hausmauern um ein Vielfaches verstärkt widerhallten. Der Wind peitschte ihr hier drinnen nicht mehr so stark ins Gesicht, der Regen fiel fast schnurgerade auf die Erde. Dafür wurde es aber mit jedem Schritt dunkler. Tsubasa wusste nicht, wohin sie laufen sollte; sie wusste auch nicht mehr, aus welcher Richtung sie gekommen war. Mit einem Mal stolperte sie und fiel hart zu Boden, während ihre Hand etwas Weiches berührte. "Oi, wen haben wir denn da?", ertönte eine rauhe Männerstimme und plötzlich griff eine fremde, nach Alkohol stinkende Hand nach Hishous kleiner Schwester. ~~~~~~~~~~ Fujimaru erwachte, als er auf dem Flur laute Stimmen hörte. Einen Moment lang wusste er nicht so recht, wo er war, da der Raum durch die inzwischen wirklich ausgefallene Straßenlaterne stockdunkel war und nur von den kurz aufflammenden Blitzen taghell erleuchtet wurde. Krachender Donner folgte. Hatte er geträumt? Sein ganzer Körper war schweißnass und sein Puls raste. Wieso...? Dann fiel es ihm schlagartig wieder ein. Hayate. Der Streit. Sein Freund wollte nichts mehr von ihm wissen! Fujimaru sank in sich zusammen. Nein, es hatte keinen Sinn mehr, darüber nachzudenken, ob Hayate seine Gefühle vielleicht akzeptieren würde. Er hasste ihn ja so schon! Langsam stand er auf, ließ die Bettdecke achtlos zu Boden gleiten und knipste seine Nachttischlampe an. Sie blieb dunkel. 'Verdammt!' Fujimaru tastete sich an der Wand lang und öffnete die Tür. Auch das Flurlicht funktionierte nicht. Also war wohl irgendwo der Blitz eingeschlagen und hatte die Leitungen lahmgelegt. Er seufzte. Aus dem Zimmer nebenan kamen Stimmen. Fujimaru hörte, dass Kyle bei Masato wäre. Den witzigen Dialekt des Australiers würde er überall erkennen. Plötzlich dachte er wieder an Hayate. Vor seinem geistigen Auge sah er Bilder, die schon einige Zeit zurücklagen; Bilder, wie er versuchte, seinen besten Freund zu töten, unter dem Einfluss von God Reideen. Er hätte es beinahe geschafft. Vielleicht hatte Hayate ihm das doch nie verzeihen können, auch wenn er es sagte. Eine andere Erklärung wusste er nicht... ~~~~~~~~~~