Title:   REIDEEN: [noch ohne Titel]
Authors:  Rei-chan; Ayanami@freenet.de
              Jaruka-chan: Jaruka@t-online.de

Disclaimers: Die süßen Jungs gehören ja leider nicht uns...*snif*...und wir machen auch kein Geld damit.
 
Der Titel hat nichts mit Episode 26 bei "End of Evangelion" zu tun...^^
 
C&C willkommen! ^^
 
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TEIL EINS
 
a)
Es regnete heftiger als in den drei Tagen zuvor und Fujimaru hatte das Gefühl, als würden die Straßen bald überschwemmt werden. Mühsam quälte er sich durch den ihm entgegenkommenden kalten Wind, rechts und links eine Einkaufstüte in der Hand. Er hustete. /Das wird ja eine ordentliche Erkältung! Und das mitten im Sommer!/
Er verstand nicht, daß es mitten im Sommer so gießen konnte. Seine Ferien hatte er sich sonnig und schön heiß vorgestellt. In einer Woche begann die Schule wieder...und die ganze Woche hatte es bisher nur geregnet.
 
Fluchend stellte er die Tüten am Hauseingang zu seiner Wohnung ab. Oben brannte Licht- also war seine Mutter schon da. Allerdings war sie viel zu früh dran.
Seit der Trennung von ihrem Vater, einer sehr häßliche Trennung, arbeitete sie sehr viel. Sie hatten Schulden beim Anwalt, den sie gebraucht hatten, um zu verhindern, daß Fujimarus Vater das Sorgerecht für ihn und seine kleine Schwester bekam. Leider waren nun beide Parteien dazu verdonnert worden, die Kosten des Verfahrens jeweils selbst zu tragen. Es war nicht leicht gewesen in den letzten Monaten- das viele Arbeiten, nächtelang weinte seine Mutter, betete, daß sie die Kinder wenigstens durchbringen konnte.
Fujimaru störte sich nicht daran. Er brauchte nicht viel zum Leben und das alles war ihm lieber als ein Leben bei seinem Vater.
 
Fujimaru kramte nach den Schlüsseln, er war naß und völlig durchgefroren.
Schließlich fand er sie und versuchte sein Glück dabei, daß Schloß zu finden. In dieser Gegend, wo alles düster, verarmt und teilweise völlig verrotet war, gab es kaum Straßenlaternen und genau vor ihrem Haus fehlte sie- und das abends! Nie wieder würde er zum Spätkauf gehen! Nicht in dieser Gegend!
 
Er hatte Glück und stand nach drei Minuten endlich im rettenden Treppenhaus, eilte die Stufen hinauf und stürzte in die Wohnung. Seine Mutter empfing ihn bereits mit einem heißen Tee und einem Handtuch. "Mein armer Junge...tut mir leid, daß ich dich jetzt noch losgeschickt habe!" seufzte sie. "Ist schon gut, Mom...die Sachen brauchen wir schließlich... schläft Mina schon?"  "Ja, ich habe sie gerade ins Bett gebracht...komm, zieh dir erstmal die nassen Sachen aus!"
Der große, dunkelhaarige Sechszehnjährige huschte in sein Zimmer und kramte nach trockenen Klamotten. Dann ließ er sich für einen Moment am Schreibtisch nieder. Seine Schulhefte und das Klassenfoto standen drauf. Fujimaru mochte seine Klasse. Alle waren lustig drauf und er konnte viel Spaß mit ihnen haben...nur dieser Eine nicht...
 
Hayate.
 
Fujimaru starrte auf den braunhaarigen, schlanken und blaßen Jungen, der bei diesem Foto direkt neben ihm gestanden hatte. Er war der Sohn des reichsten Mannes Japans. Nicht sehr beliebt in der Klasse. Er war gegenüber anderen immer still, wenn er sprach, dann nur, um dem Lehrer eine Frage zu beantworten. Wenn man ihn früher angesprochen hatte, hatte er immer nur stumm gelächelt.
Aber Fujimaru schien er zu mögen. Manchmal schrieb er im Unterricht Briefchen, die er ihm zuwarf. Fujimaru antwortete nie darauf, Hayate war ihm nicht sehr sympathisch. Er war komisch... Fujimaru konnte es sich nicht erklären...er war einfach nur komisch.
 
 
"Möchtest du noch etwas essen?" fragte seine Mutter, als sie den Kopf zur Tür hereinstreckte. "Nein...ich lege mich gleich hin, Mom...!" erwiderte er müde. "Ist gut...!" Leise zog sie sich wieder zurück.
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Sonne! Genießerisch streckte Fujimaru am nächsten Morgen den Kopf aus seinem Fenster. Es war warm, die Sonne schien- endlich hatte der Regen ein Ende. Er fühlte sich auch nicht mehr so krank wie am Abend zuvor.
Es war still in der Wohnung. Er war allein. Seine Mutter war arbeiten, seine Schwester im Kindergarten. Noch drei Tage frei...!
Fujimaru gähnte, dann ging er duschen und zog sich an. Ein langer Spaziergang würde jetzt sicherlich guttun! Es war herrliches Wetter!
 
Auf den Straßen war mächtig was los. Offensichtlich wollten alle bei diesem Wetter endlich mal raus, so wie er auch.
Oder lag es an der Eröffnung der neuen Einkaufspassage, die heute stattfand? Fujimaru wußte, daß Hayates Vater Sponsor dieser Anlage war, er hatte es in der Zeitung gelesen. Hayates Vater stand gern und viel in den Zeitungen, nahm jeden Pressetermin war. Fujimaru fragte sich, wie es so reich und berühmt wohl war...er kannte nur dieses Ghetto und alles, was dazugehörte. Hayate würde sich wohl nie Sorgen um seine Zukunft machen müssen. Fujimaru hingegen...
 
Unbemerkt war er der neuen Passage tatsächlich immer näher gekommen und entschied sich dafür, sie sich wenigstens einmal anzusehen.
Es standen Unmengen von Fotografen und Journalisten um eine kleine Bühne herum, auf der Fujimaru Hayate nebst seinem Vater entdeckte. Er drängelte sich ein wenig vor und starrte Hayate an.
Hayates Miene änderte sich offensichtlich auch in seiner Freizeit nicht. Starr und ausdruckslos hatte er den Blick in die Menge gerichtet, die Hände ineinander verschränkt, zeigte keine Regung in dem Blitzgewitter, während sein Vater eine Ansprache hielt. /Beinahe, als wäre er aus Stein!/ Aber es lag noch was anderes in den haselnußbraunen Augen- etwas wie Trauer? Schmerz? Fujimaru konnte es nicht wirklich lesen. Dann traf Hayates Blick seinen. Fujimaru zuckte zusammen. /Oh Gott, wie dämlich muß ich aussehen, wenn ich ihn so anstarre!/ Doch Hayate lächelte nur schwach, seine Augen leuchteten ein wenig. Dann begann er, sich langsam von der Bühne zu stehlen. Fujimaru folgte ihm mit den Augen und nur wenige Sekunden später stand Hayate neben ihm. "Lust auf einen Kaffee oder ähnliches?" fragte Hayate. "Nein, eigentlich nicht!" erwiderte Fujimaru. /Was will der denn jetzt von mir?/  "Wie kommst du darauf?"  "Ich will hier weg...sowas macht mich krank!" Mit einem Kopfnicken deutete Hayate auf die Presse. "Ich dachte, du willst mir vielleicht Gesellschaft leisten...?" "..."
Fujimaru erblickte seinen Freund Hitoshi in der Menge, der ihm zuwinkte. /Gerettet!/ "Ich...äh...bin schon verabredet, Hayate, tut mir wirklich leid!" Eilig wandte Fujimaru sich zum Gehen. "Nein, tut es dir nicht!" wisperte Hayate leise und lächelte. Fujimaru blieb verblüfft stehen und blickte Hayate an, als dieser ihm mit abermals verschlossener Miene den Rücken zudrehte und ging. /Oh weh...!/ So gemein wollte Fujimaru nun wirklich nicht sein, aber er wußte mit Hayate nun mal nichts anzufangen.
Plötzlich wurde er von Hitoshi gepackt. "Weißt du, ich glaube allmählich, der will dich anbaggern!" sagte er grinsend. Fujimaru errötete. "Unsinn!"  "Und wieso quatscht er nur dich an? Der Rest der Klasse existiert für ihn doch gar nicht!"  "Ach wo...ist bloß Zufall...laß uns verschwinden!" Plötzlich fühlte Fujimaru sich sehr unwohl. Er wandte sich noch einmal zu der kleinen Bühne um und bemerkte, daß Hayates Vater ihn interessiert musterte. /Was starrt der mich so an?/  "Was wollte Hayate überhaupt?" hörte er Hitoshi fragen. "Mich zum Kaffee einladen...!"  "Woooooooow, ein Date!"  Ärgerlich wandte Fujimaru sich zu ihm um, hatte plötzlich angst, Hayate könne es hören. "Hör auf...gehen wir!"
 
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Teil b
by: Jaruka-chan;    Jaruka@t-online.de
Warnung: lime^^ 
 
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Hayate erwachte, als die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne über sein Fensterbrett kletterten und seine Bettdecke mit hellen Mustern übersäten. Er stand erstaunt auf und taumelte noch leicht schlaftrunken zum Fenster, um es weit zu öffnen. Es hatte seit fast einer Woche durchgehend geregnet und nun war der Himmel mit einem Mal strahlend blau. Die Luft roch nach Morgen, frisch und klar. Hayate entdeckte zwei kleine Vögel, die eine Etage tiefer irgendwelche Krümel vom Fensterbrett der Küche aufpickten. Sie tanzten umeinander und zwitscherten vergnügt. Hayate verspürte das Gefühl, zu lächeln, aber es gelang ihm nicht so richtig.
Er wandte sich vom Fenster ab und fing an, sich umzuziehen. Als er sich nackt in dem großen Wandspiegel betrachtete, der fast bis zur Decke reichte, erblickte er nur einen blassen, etwas mageren Jungen mit traurigen Augen. Er wandte sich ab und verzog sich in die andere Ecke des Zimmer, um sich anzukleiden. Er wählte blaue Jeans und ein einfaches T-Shirt, auch wenn er jetzt schon wusste, dass das seinem Vater nicht gefallen würde. Er liebte es, wenn sein Sohn die teuren Kleider trug, die er besaß.
Hayate hingegen machte sich nicht aus Reichtum. Seit seine Eltern vor drei Jahren diesen Wissenschaftspreis gewonnen hatten, bestand ihr Leben fast nur noch aus Reisen, Veranstaltungen und Partys. Zeit für die Familie blieb selten, eigentlich nie. Wenn Hayate irgendwohin wollte, begleitete ihn meistens einer der vielen Diener oder er musste allein gehen. Aus diesem Grund hatte Hayate vor einem Jahr angefangen, zu Hause zu bleiben und sich mit Computerspielen und deren Entwicklung zu beschäftigen. Er hatte somit wieder etwas zu tun - aber dafür hatte er keine Freunde.
Hayate setze sich mit einem leisen Seufzer aufs Bett und legte die Hände in den Schoß. Dabei gab es doch einen Jungen, dessen Freund er so gerne sein wollte. Fujimaru Mushanokouji, sein Mitschüler!
Der schwarzhaarige Junge tauchte immer wieder in Hayates Gedanken auf: Fujimaru, wenn er morgens das Klassenzimmer betrat und seinen Freunden zuwinkte (ohne ihn, Hayate, dabei auch nur eines Blickes zu würdigen); Fujimaru, wenn er sich vor und nach dem Sportunterricht umzog und dabei seinen gebräunten Körpern den Blicken anderer freigab (nur, dass Hayate sich nicht traute, ihn direkt anzustarren); Fujimaru, der bei der Essensausgabe meist vor ihm stand und so unverkennbar gut roch (bis er kurz darauf wegging und sich an einen Platz weit entfernt von Hayates setzte); Fujimaru Fujimaru Fujimaru...
Hayates Gedanken schweiften ab zu Dingen, die er oft in seinen Träumen mit diesem Jungen tat. Dinge, die sicherlich verboten und abartig waren, aber trotzdem sooo schön. Er bemerkte überhaupt nicht, dass er angefangen hatte, sich selbst zu streicheln. Seine Hand glitt über die glatte Haut seiner Brust, umkreiste eine kupferfarbene Brustwarze, während die andere mit dem Daumen über die Spitze seines Glieds streichelte. Es war steif und pulsierte heiß in Hayates liebkosender Hand - und das nur bei dem Gedanken an Fujimaru!
Hayate schüttelte den Kopf, um wieder zur Vernunft zu kommen. Er riss seine Hände beinahe gewaltsam von sich los und schlüpfte schnell in die Sachen, die noch immer unberührt neben ihm lagen. Die Gefühle, die er Fujimaru entgegenbrachte, waren ja krank und grenzten schon an Perversion! Wie konnte er so über einen JUNGEN denken? Und dabei SO ETWAS mit sich selbst tun?! War er etwa einer von diesen...? Nein, ganz gewiss nicht!! Er sehnte sich doch bloß nach einem Freund, einem gleichaltrigen Jungen, mit dem er etwas unternehmen oder einfach nur quatschen konnte. Vielleicht auch etwas mehr.
Aber Fujimaru konnte ihn anscheinend kein bisschen leiden. Sooft Hayate auch versucht hatte, ihm näherzukommen oder mit im Kontakt aufzunehmen, war Fujimaru ausgewichen. Er war nicht unfreundlich oder beleidigend gewesen, sondern ihm einfach nur aus dem Weg gegangen.
"HAYATE!" Das war die Stimme seines Vaters. Natürlich, sie mussten ja heute wieder zu irgendeiner Veranstaltung. Und sein Vater hasste es, wenn sie zu spät kamen!
 
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Eine neue Einkaufspassage! Die vierte schon in diesem Monat! Hayate stand gelangweilt neben seinem Vater und guckte desinteressiert in die Menge, ohne sie wirklich zu sehen. Sein Vater erzählte irgendetwas und brachte die Leute zwischendurch zum Lachen - mit Witzen, die er sooft zu Hause einstudiert hatte, dass sie in Hayates Ohren nur noch lahm klangen. Und eigentlich waren sie das sowieso. Lahm und langweilig, wie sein ganzes Leben.
Der Blick des braunhaarigen Jungen änderte sich erst, als er spürte, wie ihn jemand die ganze Zeit über anstarrte. Seine Augen suchten die Menge ab und plötzlich erblickte er Fujimaru, der ziemlich weit am Rande von ihr stand. Ein kleines Lächeln erhellte sein Gesicht. Er sah sich nach seinem Vater um, der so sehr in seine Rede vertieft war, dass er ihn überhaupt nicht mehr beachtete. Das war die Gelegenheit, zu verschwinden! Hayate sprang vom Podium und tauchte sofort in der Menge unter, während er Fujimarus Blicke noch immer auf seinem Körper spürte.
Und dann stand er plötzlich vor ihm und roch wieder den vertrauten Fujimaru-Duft. Ob sein Klassenkamerad wohl Lust auf einen Kaffee hatte? Hayate fragte ihn danach und er spürte sofort eine Welle von Ablehnung bei Fujimaru. Er lehnte ab und fragte unsicher, warum Hayate ihn danach fragte. "Ich will hier weg...", antwortete dieser und machte mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung Presse. "So was macht mich krank! Ich dachte, du willst mir vielleicht Gesellschaft leisten...?" Fujimaru schwieg und suchte sichtlich nah einer Ausrede. Hayate versuchte, seine Enttäuschung hinter einem Lächeln zu verbergen, aber es war schon dünner geworden. Und plötzlich winkte Fujimaru jemanden, der hinter Hayate stand. Dieser drehte sich um und erblickte Hitoshi, einen Jungen aus seiner Klasse. Und sofort spürte er Fujimarus Erleichterung, als hätte er es laut gesagt. Stattdessen entschuldigte er sich, dass er schon verabredet wäre und es ihm sehr Leid tue. Hayate sah in Fujimarus braune Augen und wusste, dass er log. "Nein, tut es dir nicht!", antwortete er beinahe unhörbar und lächelte gequält. Dann drehte er sich um und verschwand in die Richtung des nächsten Cafés . Er wollte auf keinen Fall, dass Fujimaru seine Tränen in den Augenwinkeln entdeckte.
Hayate hatte auf dem Weg zum Café die fragenden Blicke seines Vaters ignoriert. Er wollte ihn jetzt nicht sehen, nicht mit ihm reden. Er wollte mit überhaupt niemandem reden!
Der Sechzehnjährige wählte eine der hintersten Ecken im Café, um so weit wie möglich allein zu sein. Eine junge Kellnerin nahm seine Bestellung auf, verschwand freundlich lächeln und brachte ihm wenige Minuten später seinen Kaffee. Hayate verschränkte die Arme im Nacken und lehnte sich zurück. Er verspürte nicht mehr den geringsten Appetit auf Kaffee; er hatte ihn nur als Vorwand bestellt, um hier sitzenbleiben zu können. Das Café war ebenso neu wie die ganze Einkaufspassage, es war hell gestrichen und überall hingen oder standen Blumen. Der zarte Duft von Lilien lag in der Luft.
 
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Lilien.
Das letzte Mal hatte er Lilien gerochen, als er bei seinem Cousin Masao Ferien gemacht hatte, vor knapp einem Jahr. Masao war ein Jahr älter als er, sah ungemein gut aus und hatte an jedem Finger zehn Freundinnen. Trotzdem hatte er sich oft mit Hayate beschäftigt und ihn nicht allein gelassen, wie er es eigentlich von zu Hause her gewohnt war. Sie waren gemeinsam ausgeritten, schwimmen oder angeln oder hatten einfach nur im Gras gelegen und die nachts Sterne beobachtet. Bis zum letzten Abend, an dem Masao seltsam aufgekratzt und nervös gewesen war. Hayate fand auch schnell den Grund dafür heraus: Masao hatte sich von einem Freund heimlich "Gras" besorgt und einen Joint gebaut. Er wollte ihn mit Hayate teilen, zum Abschied - natürlich OHNE dass seine Eltern, Hayates Onkel und Tante, etwas davon bemerkten. Deswegen waren sie runter zum See gegangen, den man vom Haus aus garantiert nicht mehr sehen würde. Und sie hätten lange vorher schon gehört, wenn sich ihnen jemand genähert hätte.
Das Gefühl nach dem ersten Zug war eigenartig, es kratzte im Hals und Hayate musste husten. Aber es war gleichzeitig auch sehr entspannend. Er fühlte sich irgendwie so... leicht, so unbesorgt. Masao schien es nicht anders zu gehen, er lächelte und summte eine leise Melodie. Hayate hatte überhaupt nicht bemerkt, dass die Hand seines Cousins auf seinem Oberschenkel lag. Erst, als sie sich langsam nach oben bewegte, spürte er sie. Erschrocken und doch gleichzeitig entzückt über das Gefühl, was Masaos Streicheln in ihm hervorrief, ließ er ihn weitermachen. Masaos Hand war inzwischen auf Hayates kurzer Hose angelangt und blieb ruhig liegen. Hayate konnte ihre brennende Hitze selbst durch den festen Jeansstoff fühlen. Es kribbelte in seiner Lendengegend.
"Hast du das schon einmal gemacht?", fragte Masao mit rauher Stimme. Hayate schüttelte verlegen den Kopf, unsicher, was genau Masao überhaupt meinte. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, drückte Masao ihn plötzlich nach hinten, ganz sanft. Seine Hand glitt über Hayates Wange. "Es wird dir gefallen, glaub mir!" Er fing an, mit einer Hand über Hayates nackten Oberkörper zu streicheln. Keiner von ihnen trug mehr als eine kurze Hose. Es war viel zu heiß, so heiß, dass sich nicht einmal Mücken blicken ließen, obwohl es unten am See etwas kühler war. Masao nahm eine von Hayates Brustwarzen zwischen seine Fingerspitzen, rieb sie vorsichtig. Ein heißer Blitz durchzucke Hayates Körper, oder zumindest hatte er das Gefühl. "Entspann dich einfach", flüsterte sein Cousin und beugte seinen Kopf hinunter. Seine Zunge umkreise Hayates andere Brustwarze, mal flink und dann wieder ganz langsam. Hayate stöhnte leise bei dem Gefühl, welches diese Liebkosung bei ihm verursachte. Plötzlich war Masaos Hand an seiner Hose, öffnete den obersten Knopf. "Was...?" "Psst!" Masao unterbrach Hayate, indem er ihm einen Finger auf den Mund legte. "Viele machen das, glaub mir. Es wird dir gefallen, wirklich!" Er öffnete auch die beiden anderen Knöpfe und zog die Jeans langsam, aber unaufhaltsam nach unten. Seine Hand lag plötzlich auf Hayates Unterhose, ruhte dort unbeweglich, während die andere über den flachen Bauch des braunhaarigen Jungen streichelte. Kurz darauf bemerkte Hayate auch den Verlust seiner Unterhose, fühlte Masaos Hand direkt auf seinem heißen Glied. Er bewegte sie langsam auf und ab und entlockte Hayate mehrere Seufzer. /Viele machen das.../ Dieser Gedanke kreiste ständig in seinem Kopf. Hatte es nicht immer geheißen, dass so etwas verboten war? Abartig, unrein, schändlich? Genauso, als wenn man sich selbst streicheln würde; verabscheuend, entwürdigend, VERBOTEN!  Und er ließ sich hier von einem Jungen streicheln, von jemandem, der älter war als er und dazu noch mit ihm verwandt! Der Gedanke entglitt Hayate, als sich Masaos Lippen um sein schmerzendes Glied schlossen. Für Hayate gab es plötzlich nichts anderes mehr als die feuchte Zunge, die streichelnden Hände, die knabbernden Zähne - bis sein Körper schließlich krampfhaft zuckte und er sich direkt in Masaos Mund entlud. Dieser schaute ihn begeistert an. "Ich wüsste, du würdest es mögen", sagte er und lächelte. Hayate fühlte sich großartig! Sein Körper war leicht, er schwebte und brannte von innen. Masaos Gesicht über ihm leuchtete in hellen Farben, er summte wieder vor sich hin und seine Hand lag noch immer auf Hayates Hüfte. Irgendwann schlief er ein, berauscht von dem erfüllenden Gefühl, das ihm dieses Erlebnis gebracht hatte...
 
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Hayate seufzte und nahm zum ersten Mal einen Schluck von seiner Cola. Er hatte zwar keinen Durst, aber sein Mund fühlte sich unangenehm trocken an. So wie nach der Nacht damals.
Er war abgereist, ohne mit Masao ein weiteres Mal über ihre Erlebnis am See zu sprechen. Erst, als er schon im Zug war und Masao draußen vor dem Fenster stand, kurz bevor der Schaffner die Abfahrt freigab, da zwinkerte er ihm zu und flüsterte: "Jetzt bist du erwachsen, Kleiner! Zeit, dir eine Freundin zu suchen." Dann setzte der Zug sich in Bewegung und verließ den Bahnhof.
"Erwachsen...", murmelte Hayate und nahm unbewusst einen zweiten Schluck. Nein, er fühlte sich kein bisschen erwachsen! Er fühlte sich nur einsam und wollte trotzdem seine Ruhe haben. Und an eine Freundin hatte er nie gedacht, jedenfalls nicht richtig. Sicherlich hatte er die Mädchen in seiner Klasse genauer angesehen, aber er fand nichts Auf- oder sogar Erregendes an ihnen. Sie waren einfach nur langweilig, kicherten andauern und unterhielten sich über irgendwelche langweiligen Popstars. Wie ätzend! /Fujimaru dagegen.../ Ja, Fujimaru schaffte es jedesmal, Hayates Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Selbst, wenn er nur selbstvergessen auf einem Bleistift kaute, konnte Hayate nicht wegsehen. Wenn er nicht so überaus intelligent wäre, hätte er wahrscheinlich schon längst von seinen Lehrern eins reingewürgt bekommen - so aber konnte er in Ruhe Fujimaru betrachten, dem es nicht auffiel, da er sich im Gegensatz zu Hayate meistens auf den Unterricht konzentrierte.
Hayate leerte sein noch halbvolles Glas in einem Zug und stand dann auf, hinterließ genügend Bargeld für die Kellnerin, sodass sie auch ein gutes Trinkgeld bekam. Egal, welche Gefühle er für seinen Klassenkameraden empfand oder ob er pervers und abartig war - es war lange keine Erklärung, warum er sich erst jetzt auf den Heimweg machte. Sein Vater würde zurecht wütend auf ihn sein!
 
 
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TEIL EINS
c) by Rei-chan
 
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"Gut, daß du gekommen bist...Hayate ist mir irgendwie unheimlich!" Hitoshi lächelte Fujimaru bei diesen Worten amüsiert zu. Obwohl Fujimaru froh war, daß er Hayate entkommen konnte, tat es ihm doch leid. Er hatte Hayate weh getan und es heute zum ersten Mal unmittelbar gespürt. Eigentlich hatte er sich nie darum Gedanken gemacht, ob er irgendjemandem wehtat...er lebte meist in seiner eigenen Welt.
Und nun bohrte sich Hayates trauriger Blick immer tiefer in sein Herz. /Ich werde mich entschuldigen!/ Ja, das war okay- dann ging es ihm sicherlich besser.  "Hitoshi?"  "Hmm?"
 
Sie wanderten langsam durch die Einkaufspassage. "Was meinst du...wieso ist Hayate so merkwürdig?"  "Ich habe keine Ahnung...vielleicht sind Reiche so?" Fujimaru schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht, daß das der Grund ist...er ist immer so...traurig...!"  Hitoshi zuckte mit den Schultern. "Ist mir egal, ich mag ihn halt nicht sonderlich...zu still, zu klug...und schwul scheint er auch zu sein!" Fujimaru riß die Augen auf und starrte Hitoshi an. "Was soll denn der Mist? Wie kannst du das behaupten, wenn du das gar nicht weißt?" Hitoshi lachte. "Ich sehe doch, wie er dich anschaut...!"  "Ach was...!" Nun schien Fujimaru wirklich wütend. "Laß das ja nicht durch die Klasse gehen, kappiert?"  "Schon okay, schon okay...!" Hitoshi verwirrte Fujimarus aufbrausende Art. Okay, Fujimaru wollte zu jedem gerecht sein, er sprach nie schlecht über andere, auch nicht bei denen, die er nicht mochte.
Hitoshi horchte auf, als er Schritte hinter sich vernahm. "Ist das nicht Otori, Hayates Dad?" fragte Hitoshi, als dieser mit einem Bodyguard direkt auf die beiden zukam. Fujimaru wandte sich unsicher um. "Ja...sieht so aus...was die wohl wollen?"
Herr Otori lächelte den beiden freundlich zu, als er auf sie zutrat. "Guten morgen, meine Herren!" grüßte er. Dann wandte er sich an Fujimaru. "Kann ich dich mal sprechen, junger Mann?" Fujimaru schluckte. "Wa..warum?"  "Och, nichts besonders...ich möchte nur gern mal unter vier Augen mit dir sprechen...hast du ein paar Minuten Zeit?" Fujimaru warf Hitoshi einen fragenden Blick zu, dann nickte er. "Gut, dann folge mir bitte...!" Herr Otori machte eine einladende Geste. "Warte hier!" flüsterte Fujimaru Hitoshi eilig zu, dann folgte er Hayates Vater in einen der noch leeren Büroräume in der ersten Etage.
 
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"Setz dich!" Fujimaru ließ sich auf einen der Stühle sinken. Er war nicht sicher, was genau dieser Mann eigentlich von ihm wollte. "Du bist...Fujimaru, hab ich recht?" Fujimaru schluckte. "Ja...aber woher wissen Sie das?"  Herr Otori lächelte, beinahe genauso liebenswürdig wie ein Esel sah er aus. "Hayate spricht oft von dir!" Fujimaru spürte Blut in seine Wange schießen. "Ach...tatsächlich?"  "Ja...er...wäre ziemlich gern mit dir befreundet, weißt du...?"  "Und ich glaube, daß ist keine gute Idee...wir haben nichts gemeinsam...!"  "Woher willst du das wissen? Du hast meinen Sohn doch nie nach seinen Interessen gefragt!" /Oh weh!/ Fujimaru war klar, daß alles, was er hier nun aufbringen wollte, keine Argumente waren. Und der Bodyguard hinter ihm machte ihn nur noch nervöser. Herr Otori räusperte sich -nun. "Keine Angst, deswegen will ich dich nicht zur Rede stellen...ich gebe zu, Hayate benimmt sich etwas merkwürdig, ganz anders als früher...!"  Fujimaru nickte. "Weißt du, er ist sehr einsam...seine Mutter und ich haben kaum Zeit für ihn und er ist meist allein. Er braucht Freunde...leider wirkt er auf viele sehr abweisend...!"  "Das tut er...!" Herr Otori seufzte und faltete die Hände ineinander. "Fujimaru, ich habe ein Angebot für dich!"  Fujimaru schenkte dem Mann einen skeptischen Blick. "Was meinen Sie?"  Herr Otori lächelte. "Ich weiß, daß deine Mutter hohe Schulden hat..."  Fujimarus Herz verkrampfte sich. "...und das ihr Geld sehr gut gebrauchen könnt...ich möchte dir die Chance geben, ehrlich Geld zu verdienen... ich denke doch, daß du deiner Mutter gerne helfen würdest?"  Fujimaru nickte stumm, doch er verstand noch immer nicht, was dieser Mann von ihm wollte. "Ich möchte, daß du dich ein wenig um Hayate kümmerst...ein Freund für ihn bist...da meine Frau und ich das nicht können. Dafür werde ich dich bezahlen. Es gibt am Ende der Woche immer einen Scheck." Fujimaru riß die Augen auf. "Sie wollen mich dafür bezahlen, daß ich so tue, als würde ich Hayate mögen?"  "So könnte man es sagen, ja...und da gibt es noch etwas...!"  Herr Otori lächelte abermals. "Ich glaube zu wissen, welche Art Gefühle Hayate für dich hegt...zu bekommst pro Woche, wenn du dich davon mindestens vier Tage mit ihm triffst, 1000 Yen von mir...und solltet ihr...!"  Fujimaru schluckte schwer. "Was denken Sie eigentlich von mir?" "Oh, ich will dir nichts unterstellen, junger Mann...aber sollte es, aus welchen Gründen auch immer, dazu kommen, daß ihr miteinander schlaft...bekommst du dafür 10 000 Yen von mir." "Sie bezahlen mir den Sex mit Ihrem Sohn...?" Am Liebsten wäre er aufgesprungen und einfach gegangen. Das war ja UNGLAUBLICH! Sich mit Hayate treffen, okay, daß hätte er noch eingesehen, aber mit ihm schlafen? Herrgott, er stand doch nicht auf Jungs und auf Hayate schon gar nicht! "Ich bin doch keine Hure!" murmelte er mit blaßen Lippen. "Ich sagte auch nicht, daß du das mußt...wenn du darauf eingehst, ist nur die Pflicht, daß du mit Hayate ein wenig was unternimmst...!"  Fujimaru stand auf, wagte es nicht, dem Mann vor sich in die Augen zu sehen. "Muß ich mich gleich entscheiden?"  "Nein...ich gebe dir Bedenkzeit bis morgen...komm einfach bei mir vorbei...du weißt, wo wir wohnen?"  "Ja...!"  "In Ordnung... du kannst gehen, wenn du möchtest." Er nickte. "Aber EINES noch, Fujimaru...Hayate darf davon nichts erfahren, egal, ob du mein Angebot annimmst oder nicht!"  "In Ordnung..."
~~
Fujimaru ging sofort nach Hause. Er verabschiedete sich eilig von Hitoshi mit der Ausrede, er habe einen wichtigen Termin völlig vergessen.
Nun striff er durch die Straßen, völlig in Gedanken versunken. Er und Hayate...miteinander auskommen...miteinander schlafen? Er sollte Hayate vorspielen, er  sei sein Freund? Würde ihn plötzlich mögen? Und wenn Hayate dahinter kam, was würde er von ihm denken? Fujimaru wollte niemandem wehtun...egal, wer es war. Er konnte verstehen, daß Hayate sich einsam fühlt, aber war er da nicht auch selbst schuld dran?
 
Andererseits...!
Fujimaru betrat seine Wohnung und blickte sich lange und gründlich um. Sie konnten das Geld verdammt gut gebrauchen, nicht nur wegen der Schulden, auch sie selbst brauchten wieder einiges neu in der Wohnung.
/Ich muß ja nicht mit ihm schlafen...!/ Fujimaru seufzte und ließ sich völlig verwirrt auf einen der Stühle in der Küche sinken. /Mach ich's, mach ich's nicht?/  Was war dabei? Gut, Hitoshi würde dumm gucken, wenn Fujimaru plötzlich dazu gezwungen war, sich mit Hayate abzugeben, aber er konnte behaupten, es sei aus Mitleid. Mehr nicht.
Und Hayate? Wie sollte er ihm denn erklären, daß er nun doch was mit ihm zu tun haben wollte?
 
/Ich werde morgen zu ihm gehen...mit seinem Vater sprechen und mich entschuldigen...das ist ein guter Anfang...!/  Aber wofür? Für eine häßliche Lüge, deren Aufdeckung Hayate mehr schmerzen würde als irgendjemand sonst?
/Ich werde mir auch ohne den Sex wie eine Hure vorkommen...ich kann's versuchen...ich kann's auch lassen!/
Fujimaru ballte die Fäuste. "Nein, ich versuche es...!"
 
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Hayates Wohnsitz war groß und beinahe königlich. Fujimaru behagte es sehr, als er läutete und ein Wachmann ihn nach seinem Anliegen befragte. Doch er wurde sofort hineingelassen- offensichtlich hatte man das Personal hier schon über ihn informiert.
Er wurde in das Büro von Herrn Otori gebracht. Dieser lächelte ihm freundlich entgegen. "Kommst du, um mir deinen Entschluß mitzuteilen, Fujimaru?" Fujimaru bekam ein Glas Orangensaft. Er würdigte es nicht eines Blickes. Er war nervös, fühlte sich unwohl und eingeengt. "Hai...ich fühle mich nicht wohl dabei...aber ich mache es...unter der Bedingung, daß ich jederzeit aussteigen kann...!" Seine Hände verkrampften sich. /Oh Gott, wie naiv ich bin, von einem solchen Mann etwas zu verlangen!/  "Ich bin einverstanden...du bekommst die Tage dann von mir bezahlt, bei denen es geklappt hat."  Fujimaru nickte. "Ich bin aber nicht verpflichtet, mit Hayate zu schlafen?" wollte er sich noch einmal versichern. "Nein, ganz und gar nicht...!"  "In Ordnung!" Beschämt stand Fujimaru auf. Das alles KONNTE nicht richtig sein...aber er brauchte finanzielle Hilfe, seine Mutter ganz besonders! Er hatte ihr den Sachverhalt gestern erklärt. Sie hatte ihm geraten, zu tun, was er wolle und für richtig halte. /Aber ist es das?/
"Kann ich Hayate sprechen?"
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Er fand Hayate in seinem Zimmer, vor seinem Computer hockend. Er arbeitete mit irgendwelchen seltsamen Zahlen- Fujimaru hatte gehört, daß Hayate ein großes Genie auf dem Gebiet sei- Computer waren für ihn wie eine zweite Haut.
"Hayate?" Der Junge zuckte zusammen und wandte sich ruckartig um. Fassungslos blickte Hayate Fujimaru an, dann lächelte er. "Du hier?"  "Ja...ich...!" /Na los, hau es raus...!/ "...ich wollte mich wegen gestern entschuldigen...ich...ich glaube, ich habe dir sehr weh getan und das wollte ich nicht...!"  Hayates Augen wurden größer.  Fujimaru lächelte. /Auf zur ersten Lüge!/  "Wenn du magst...können wir ja mal versuchen, Freunde zu werden...es ist nur fair, dir eine Chance zu geben!"
Hayate hielt sichtbar den Atem an...